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„Eigentor“ für Angela Merkel?

vom 09.06.2010

„Danke, dass es Sie gibt. Danke, dass Sie weiter da sind“, hat Angela Merkel noch im Januar in einer sehr persönlichen Rede zu Joachim Guck auf der Feier zu dessen siebzigsten Geburtstag gesagt.
Vielleicht hätte die Pfarrerstochter sehr gerne diesen streitbaren Rostocker Pfarrer und unbeugsamen DDR-Menschenrechtler im höchsten Staatsamt Deutschlands gesehen, denn er kommt aus einer Welt, aus der auch Merkel kommt. Er ist geprägt von den Erfahrung, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist, sondern erkämpft, behauptet und verteidigt werden muss. Sie beide verbinde Sehnsucht nach Freiheit, gestand die Kanzlerin einmal. Vielleicht betrachtet sie den Bürgerrechtler und ehemaligen Chef der Stasi – Unterlagenbehörde in gewisser Weise als Vorbild, jedefalls respektiert sie seine Rolle in der friedlichen Revolution in höchstem Maße. Sie lobt Joachim Gauck als einen, der „gegen die Verklärung arbeitet“ und daran, „die Erinnerung wachzuhalten, was das für ein Staat war, die DDR“.
Vielleicht könnte man daraus zu der Meinung gelangen, dass Joachim Gauck ein Kandidat nach dem Herzen der Kanzlerin gewesen wäre.
Den Argumenten von Sigmar Gabriel konnte Merkel daher nichts entgegensetzen, als dieser ihr das Angebot machte, mit Gauck einen parteiübergreifenden Kandidaten aufzustellen. Schließlich hatte die CDU schon 1990 Gauck in das Kandidatenrennen gegen Johannes Rau schicken wollen. Aber hier entschied nicht das Herz – der Kandidat des Kopfes musste einer sein, der viel besser ins Parteikalkül und zur schwarz-gelben Koalition passt. Deshalb nominierte sie ganz schnell Christian Wulff.

In der Politik kann man sich schließlich keine Sentimentalitäten erlauben....

„Joachim Gauck bringt ein Leben mit in seine Kandidatur und in sein Amt“, sagt Sigmar Gabriel.

„Sie sind ein Mahner, Sie sind ein Demokratielehrer. Sie werben immer wieder für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Sie verbinden das nicht einfach nur mit Funktionen und Ämtern.“ (Angela Merkel bei ihrer Rede anlässlich des 70. Geburtstags von Joachim Gauck)

Autor/in dieses Artikels ist: Eva Gerk-Zwickel
Artikelarchivierung am: 20.07.2010
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